Sternekoch Kevin Fehling im Gespräch

„Jedes meiner Gerichte muss noch besser sein als das vorige“

Interview in der Airport-Lounge (Foto: Sandra Platzer)

Sternekoch Kevin Fehling geht gern in die Luft – und zwar am liebsten allein. Hamburg•Flughafen traf den mit drei Michelin-Sternen hochdekorierten Koch in der Hamburg Airport Lounge.

Hamburg·Flughafen: In Spielfilmen werden Sterneköche gern so dargestellt, dass sie unter Druck arbeiten und ihre Mitarbeiter deshalb anschreien. Wie ist das bei Ihnen?
Kevin Fehling: Mit dem „The Table“ wollte ich ein neues Konzept der Sterneküche realisieren, bei dem auf die Mitarbeiter Rücksicht genommen wird. Dazu gehört für mich, dass der Arbeitstag neun oder zehn Stunden lang ist und alle Mitarbeiter fair bezahlt werden.

Kochen Sie persönlich jeden Tag?
KF: Wir stehen am Anfang und wollen uns immer weiterentwickeln. Deshalb werden die Gerichte von meinen hervorragend ausgebildeten Köchen zubereitet, die alle auf dem Weg sind, selbst einmal Sterneköche zu werden. Meine Aufgabe ist es, neue Gerichte zu kreieren. Jedes Gericht muss noch besser sein als das vorige.

Als deutscher Spitzenkoch sind Sie bestimmt auch im Ausland ein gefragter Mann, nicht wahr?
KF: Ich bin tatsächlich sehr viel auf Reisen: Ich liebe es zu fliegen! Am schönsten ist es, wenn ich allein unterwegs bin. Dann genieße ich es, bei gutem Essen und Trinken an Bord zu entspannen und die Seele baumeln zu lassen. Kürzlich war ich in Guatemala, um mit sieben Köchen aus aller Welt ein Menü mit Rum zu kreieren. Das war eine fantastische Erfahrung.

Wo sitzen Sie gern im Flugzeug, am Fenster oder am Gang?
KF: Am liebsten am Fenster, dann habe ich meine eigene Armlehne (lacht)! Im Ernst, ich habe gern etwas Platz für mich.

Foto: Sandra Platzer

Im Juli dieses Jahres werden Sie 40 Jahre alt. War es für Sie wichtig, schon früh beruflich erfolgreich zu sein?
KF: Eigentlich wollte ich eine Lehre im Hotelfach machen. Das gefiel mir nicht so gut, deshalb probierte ich die Kochlehre aus. Am liebsten fuhr ich zu der Zeit Snowboard. „Klick“ machte es bei mir im Kopf erst, als eine ehrgeizige Designstudentin mir sagte, ich hätte keine Lebensperspektive. Da war mir klar: Nur wer in seinem Beruf explodiert, kann später eine Familie ernähren. Ab diesem Moment wollte ich Sterne erkochen.

Was auch gelungen ist …
KF: Ja, von null auf drei Sterne benötigte ich lediglich fünf Jahre. Vor gut einem Jahr habe ich mich hier in Hamburg selbstständig gemacht und gemeinsam mit meinem Team drei Sterne für das „The Table“ erreicht. Genauso hatte ich es mir auch gewünscht.

Interview: Cord Schellenberg


Zur Person:
Kevin Fehling wurde 1977 in Delmenhorst geboren und lebt heute vor den Toren Hamburgs in Schleswig-Holstein. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Anna hat er zwei Töchter im Alter von zwei und fünf Jahren. Der erfolgreiche Sternekoch lebt bewusst und gesund („Ich esse diszipliniert“), lacht gern, fährt Snowboard und interessiert sich für Astronomie.


Hamburg·Flughafen 2017-1