Christoph Lieben-Seutter im Gespräch

"Die internationalen Reaktionen sind wirklich unglaublich", findet der Elbphilharmonie-Intendant

Zur Person: Der 1964 in Wien geborene Christoph Lieben-Seutter verantwortet seit 2007 als Generalintendant das vielfältige Konzertprogramm der Laeiszhalle und der Elbphilharmonie. Nach dem Abitur arbeitete er einige Jahre in der Computerindustrie, bevor er 1988 als Direktionsassistent an das Wiener Konzerthaus kam, das er nach einem Zwischenspiel am Zürcher Opernhaus von 1996 bis 2007 leitete. Er ist verheiratet und Vater von drei Kindern (Foto: Sandra Platzer)

Mit ihrer Architektur und Konzertsälen von Weltrang begeistert die Elbphilharmonie auch die internationalen Medien, die die Hansestadt jetzt zu einem der spannendsten Reiseziele erklärt haben. Hamburg·Flughafen hat den Intendanten des Hauses, Christoph Lieben-Seutter, getroffen.

Hamburg·Flughafen: Die Hamburger lieben die Elbphilharmonie. Sogar die New York Times und der britische Guardian berichten von dem Konzerthaus. Wie erleben Sie als Intendant diese Begeisterung?

Christoph Lieben-Seutter: Ich freue mich darüber. Die Hamburger empfinden einen berechtigten Stolz, den sie ja zu Beginn des Projekts schon mal hatten. Nach der unrühmlichen Baugeschichte, über die viele zu recht empört waren, sind wir jetzt wieder beim Ursprung angekommen. Die internationalen Reaktionen sind wirklich unglaublich, damit haben wir nicht gerechnet.

"Erfreulicherweise sind die Gäste ebenso begeistert wie die Künstler, die in unseren Sälen spielen. Die Elbphilharmonie hält, was sie verspricht."

Was tut das Konzerthaus für das Image der Stadt?

CLS: Die Elbphilharmonie setzt Hamburg als lebenswerte, internationale Metropole die Krone auf. Bisher hat das Kulturleben Hamburgs mit Ausnahme der Musicals für die Außendarstellung der Stadt und auch in der Wahrnehmung ihrer Besucher keine so große Rolle gespielt. Das ist jetzt durch die Elbphilharmonie ganz anders geworden. Erfreulicherweise sind die Gäste ebenso begeistert wie die Künstler, die in unseren Sälen spielen. Die Elbphilharmonie hält, was sie verspricht.

Was ist Ihr persönlicher Lieblingsort in der Elbphilharmonie?

CLS: Die verschachtelte Foyerlandschaft vor dem großen Saal, die sich über viele Ebenen erstreckt. Die Sichtbeziehungen, die sich innerhalb des Foyers ergeben, sind fantastisch und man hat schon vor Betreten des Konzertsaals eine ganz besonderes Raumerlebnis.

Sie kommen aus Wien und sind seit zehn Jahren in Hamburg. Was gefällt Ihnen an der Hansestadt?

CLS: Von Anfang an gefiel mir der Menschenschlag. Ich komme sehr gut aus mit den Hamburgern. Und ich mag die Weite, die Offenheit und auch den Wind, der durch die Stadt weht. Die Stadt hat für mich bisher nichts von ihrer Faszination eingebüßt.

Im Gespräch mit Christoph Lieben-Seutter in seinem Büro im 10. Stock der Elbphilharmonie - Foto: Sandra Platzer

Wie „klingt“ Hamburg für Sie?

CLS: Ich habe den ganzen Tag so viel Musik im Ohr, dass ich das gar nicht sagen kann. Mit einem bestimmten Komponisten, wie Brahms beispielsweise, bringe ich die Stadt nicht in Verbindung. Vielmehr mag ich die Hafenklänge sehr, die Motoren und Signale der Schiffe.

Sind Sie jemand, der während einer Flugreise Kopfhörer im Ohr hat?

Ja, aber nur auf der Langstrecke. Dabei höre ich aber eher Podcasts oder Hörbücher als Musik. Für mich ist die schönste Belohnung, im Flugzeug in Ruhe drei bis vier Zeitungen zu lesen, wie etwa die New York Times.

Interview: Madeleine Lange

Hamburg·Flughafen 2017-2