Reservestunde wichtig für Passagiere

Interview mit dem Vorsitzenden der Flughafengeschäftsführung Michael Eggenschwiler

Der Hamburger Flughafenchef Michael Eggenschwiler (r.) im Gespräch (Foto: Michael Penner)

Ein sonniger Tag, die Herbstferien werden bald beginnen. Wir sind mit Michael Eggenschwiler, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung von Hamburg Airport, im Terminal verabredet. Auf dem Vorfeld herrscht reges „Flugzeug-Treiben“.

Hamburg-Flughafen: Wir befinden uns hier in der Airport Plaza und Sie schauen sich die Vorgänge auf dem Vorfeld ganz genau an. Was beobachten Sie?

Michael Eggenschwiler: Ich beobachte den laufenden Betrieb. Für mich ist es wichtig, die Abläufe mit den Augen des Passagiers zu sehen: Welche Erwartungen erfüllen wir, was hat bestens geklappt, was war nicht ideal? Dann greife ich auch schon mal zum Hörer und frage bei unserer Verkehrsleitung nach dem konkreten Sachstand.

In den Sommerferien war die Gepäckausgabe Gesprächsthema in den Hamburger Medien. Da lief es nicht ideal, oder?

ME: Ich weiß gut, wie es sich anfühlt, wenn man als Passagier nach Hamburg zurückkommt, viele schöne Ferienerinnerungen hat und nach der Reise im vollbesetzten Flugzeug die Koffer am Band erwartet. Aus Sicht der Abfertigung am Flughafen sind diese Tage absolute Spitzenzeiten, denn sehr viele Flugzeuge sind vollbesetzt und vollbeladen. Auffällig ist dabei, dass in diesem Jahr bei fast gleicher Anzahl von Flugzeugen zehn Prozent mehr Koffer aufgeben werden.

Was wurde getan, um die Situation zu verbessern?

ME: Vornweg: Acht von zehn Passagieren haben ihr aufgegebenes Gepäck in rund 30 Minuten nach der Landung. Die Herausforderung sind die sehr schwankenden Spitzenzeiten. Hier versuchen wir, noch mehr Ressourcen an Geräten, Bussen und Mitarbeitern einzuplanen, insbesondere weil wir durch die große Vorfeldbaustelle längere Wege zurücklegen müssen. Auch ist eine gute Abstimmung während des Tages notwendig, da es tagtäglich zu Verschiebungen im Flugplan kommt. Das ist Teil des Systems Luftverkehr, bei dem die Flugpläne eng getaktet und Flugzeuge oft nur 30 Minuten am Boden sind.

Apropos Verspätungen. Der Flugplan sieht planmäßige Starts und Landungen nur bis 23 Uhr vor, danach gibt es eine Verspätungsstunde bis Mitternacht. Wer aus unvermeidbaren Gründen – so heißt es in der Betriebsgenehmigung – verspätet ist, darf noch starten oder landen. Wie wichtig ist diese Verspätungsstunde für die Passagiere?

ME: Sehr wichtig! Durch die Reservestunde können viele Passagiere ihr Ziel Hamburg abends noch erreichen, trotz möglicher Verspätungen im Flugbetrieb, durch Wettereinflüsse oder Beschränkungen bei der Flugsicherung. Klar ist, dass die Fluggesellschaften diese Reservestunde nur in diesem Sinne nutzen sollen.

Machen die Airlines das auch immer so?

ME: Wir sprechen mit den Fluggesellschaften, wenn wir merken, dass ein Flug die Stunde regelmäßig nutzt. Außerdem gelten deutlich höhere Zuschläge, wenn ein Flug nach 23 Uhr landet. Diese Kosten fallen bei regelmäßig verspäteten Flügen ins Gewicht und sollen auch ein Motivator sein, zu reagieren. Insgesamt hat sich bei den Airlines ein besonderes Bewusstsein für die Situation in Hamburg herausgebildet. Natürlich ist es auch im Interesse der Passagiere, wenn Flugzeuge in Hamburg landen können. Umleitungen zu anderen Flughäfen sind nicht nur beschwerlich, sondern verursachen auch denselben Fluglärm – nur eben erst am nächsten Morgen.

Zurzeit beträgt das Passagierwachstum am Hamburg Airport zehn Prozent. Hand aufs Herz, hätten Sie damit gerechnet?

ME: Wir hatten mit drei bis vier Prozent Zuwachs gerechnet. Die Menschen in Norddeutschland möchten mobil sein. Reisen ist ein Erlebnis. Gleichzeitig kommen auch mehr Gäste nach Hamburg, das hat positive Auswirkungen auf die Hamburger Wirtschaft.

Wie lautet Ihre Prognose für das Jahr 2018?

ME: Aktuell steigt die Auslastung der Passagierflugzeuge, während die Anzahl der Flüge stabil ist. Der Luftverkehr wird also immer effizienter. Für 2018 erwarten wir eine stabile Nachfrage auf dem erreichten Niveau von 2017.

Interview: Cord Schellenberg


Zur Person:

Der Schweizer Michael Eggenschwiler (58) lebt seit 2003 in der Hansestadt, als er in die Geschäftsführung des Hamburg Airport berufen wurde. Zwei Jahre später übernahm er den Vorsitz. Zu seinen Ehrenämtern gehört auch die Funktion des Amts des Schweizerischen Konsuls in Hamburg. Michael Eggenschwiler ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.


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