"Die Hälfte ist schon geschafft"

Das große Interview mit Projektleiter für die Vorfeldbaustelle Martin Helf

Martin Helf vor der Baustelle auf dem Vorfeld des Hamburg Airport (Foto: Michael Penner)

Martin Helf hat alles im Griff – er koordiniert die Bauphasen für die Erneuerung des Vorfelds 1. Hamburg·Flughafen traf ihn am Gate A07 mit Blick auf den laufenden Flughafenbetrieb und die Bauarbeiten.

Hamburg·Flughafen: Die Besucher der Aussichtsterrasse bewundern die Flugzeuge oder freuen sich auf ihren nächsten Urlaub. Woran denken Sie, wenn Sie auf das Vorfeld schauen?
Martin Helf: Als erstes an die Arbeit. Ich schaue, wie weit wir sind, woran gerade gearbeitet wird und ob alles im Zeitplan ist. Davon kann ich mich selbst auf dem Weg in den Urlaub nicht freimachen.

Wie ist der aktuelle Stand der Bauarbeiten?
MH: Die Hälfte der insgesamt rund 330.000 Quadratmeter großen Vorfeld-Fläche haben wir jetzt schon geschafft. Die fünfte Bauphase, die bis zum Sommer dauert, ist die letzte der terminalnahen Flächen. Während der Bauzeit können wir dann drei Fluggastbrücken nicht nutzen. Sie werden abgebaut und die beweglichen Teile generalüberholt. Das war aber auch schon in den übrigen Bauphasen so. Im Laufe des Jahres 2018 sind dann alle Fluggastbrücken wieder in Betrieb.

Wo liegen die besonderen Herausforderungen der nächsten Phase?
MH: Die Herausforderung in dieser Phase ist die Nähe zur Piste 05/23. Hier müssen besondere Sicherheitsabstände eingehalten werden. Außerdem erneuern wir die Rollwege zur Start- und Landebahn. Hinzu kommen 600 Unterflurleuchten für ein neues Leitsystem, das den Piloten den Weg zum Start oder auf die richtige Parkposition weist. Und das alles wie immer unter laufendem Betrieb.

Was bedeutet das für die Fluggäste?
MH: Baulich verlaufen die Arbeiten auch in dieser Phase so wie zuvor in den anderen Bereichen. Das heißt, auch jetzt müssen wieder mehr Flugzeuge auf Außenpositionen parken. Folglich wird es auf den verbleibenden Flächen zu Umwegen und mehr Verkehr kommen. In Spitzenzeiten sind daher bis zu 70 Prozent mehr Fahrten der Passagierbusse notwendig.

Die Bauarbeiten auf dem Vorfeld dauern bis 2020. Warum so lange?
Allein die Planungen für die Erneuerung des Vorfelds haben fünf Jahre gedauert. Das war wichtig, damit ein Rädchen perfekt in das andere greift. Die Baustellenlogistik ist sehr genau getaktet. So muss zum Beispiel das ganze Material von außen per Lkw unter Begleitung in den Sicherheitsbereich gefahren werden. Das sind strenge Regelungen mit erheblichem Zeitaufwand. Der Beton beispielsweise wird im Sicherheitsbereich des Flughafens auf der sogenannten Schneeabladefläche gemischt, da er nach spätestens 90 Minuten eingebaut sein muss. Dies wäre bei der Verkehrssituation in Hamburg derzeit anders nicht gewährleistet. Die Alternative zum Bauen in mehreren Phasen wäre eine vollständige Schließung über einen bestimmten Zeitraum. Dies ist aber natürlich nicht möglich: Der Flughafen hat den öffentlichen Auftrag, die Mobilität der Stadt zu sichern.

Warum muss das Vorfeld überhaupt erneuert werden?
MH: Die Betonflächen sind jetzt 40 bis 50 Jahre alt und wären auf absehbare Zeit aufgebraucht. Immerhin sind in den vergangenen fünf Jahrzehnten über sechs Millionen Flugzeuge mit einem Gesamtgewicht von mehr als 290 Millionen Tonnen über diese Flächen gerollt.


Über die Vorfelderneuerung
Martin Helf (55) ist Gesamtprojektleiter für die Erneuerung des Vorfelds 1 am Hamburg Airport. Bis 2020 dauern die Bauarbeiten auf einer Fläche von ca. 330.000 Quadratmetern. Das entspricht ungefähr einem 17,4 Kilometer langen Autobahnabschnitt. In der untersten der vier neuen Betonschichten werden insgesamt 3,6 Kilometer Regenwasserrohre verlegt und in der darüber liegenden Frostschutzschicht aus Kiessand müssen 35 Kilometer Kabel ihren Platz finden, unter anderem für das neue Leitsystem „Follow the Greens“. Mit diesem System wird sich der Verkehrsfluss am Boden verbessern. 1.380 LED-Leuchten weisen den Piloten zukünftig den vorgegebenen Weg.


Das Gespräch führte Nina Jaspert

Hamburg·Flughafen 2018-1