Vier Fragen an ... Pastor Björn Kranefuß

"Den Flughafen empfinde ich als Nabel unserer Zeit"

Seit dem Jahr 2000 am Hamburg Airport: Pastor Björn Kranefuß (Foto: Michael Penner)

Björn Kranefuß ist Pastor der Evangelischen Kirche am Hamburg Airport. Seine „Gemeinde“ umfasst zurzeit rund 17 Millionen Reisende, acht Millionen Flughafenbesucher und etwa 15.000 Mitarbeiter. Zu Beginn des Jahres sprach Redakteurin Madeleine Lange mit ihm:

Hamburg·Flughafen: Wie sieht Ihr Ausblick auf 2018 aus?
Björn Kranefuß: Ich werde hier am Flughafen einen neuen katholischen Kollegen bekommen, und sicher planen wir im Laufe des Jahres gemeinsame Aktivitäten. Aber dazu kann ich jetzt noch nichts Konkretes sagen. Ich starte in mein 18. Jahr hier am Hamburg Airport und komme immer noch sehr gern hierher. Den Flughafen empfinde ich als Nabel unserer Zeit, hier erlebt man hautnah die Grundthemen unserer Gesellschaft. Insgesamt blicke ich mit Zuversicht auf das beginnende Jahr.

Wann werden Sie als Flughafenpastor aktiv?
Meist in emotional herausfordernden Situationen, zum Beispiel wenn Menschen mit dem Tod konfrontiert sind. Kürzlich wurde ich gerufen, nachdem ein Mann auf dem Weg zum Terminal zusammengebrochen war und nicht wiederbelebt werden konnte. Die Rettungskräfte meldeten sich bei mir, und ich habe der Ehefrau dann beigestanden. Wir haben anschließend noch mehrfach telefoniert. Sie sagte, dass ihr diese Unterstützung in den schweren Stunden gutgetan hat. Auch wenn nicht klar ist, wie ein nächster Schritt aussehen kann, helfe ich. Im vergangenen Jahr rief ein Mitarbeiter an: Eine Frau lebe bereits seit fünf Monaten hier im Terminal. Sie kam aus Bulgarien und war ursprünglich auf dem Weg zurück. Wegen psychischer Probleme war sie aber nicht in ihr Flugzeug gestiegen. Viele kannten sie, aber für den nächsten Schritt war keine Institution so richtig zuständig. Also kümmerte ich mich um sie. Es ging so aus, dass wir ihr ein Ticket zurück nach Sofia besorgten und ich sie zusammen mit dem Flughafenmitarbeiter, der mich informiert hatte, bis zum Flugzeug begleitete. In 80 Prozent der Fälle sind es Mitarbeiter oder Flughafen-Institutionen, die mich rufen, wenn eine ungewöhnliche Lösung gefunden werden soll. Auch wenn es um die Sorgen der Mitarbeiter geht, bin ich da.

Können Sie sich noch vorstellen, als "regulärer" Pastor zu arbeiten?
Für mich ist es genau richtig, hier am Flughafen mitten im Leben zu wirken. Ich trete an einem nicht-kirchlichen Ort als kirchlicher Vertreter mit den Menschen in Kontakt. Ich sage immer, ich bin mit leichtem Gepäck unterwegs, weil ich keine Administration für eine Gemeinde erledigen muss. Statt festen Mitarbeitern habe ich zehn ehrenamtliche Helfer. Ich genieße es, mich hier auszutauschen und empfinde das, was ich tue, als sehr sinnvoll.

Was bedeutet Kirche am Hamburg Airport für Sie?
Sich den Menschen vorbehaltlos zuzuwenden, egal welcher Kultur oder Nationalität sie angehören, und ihnen das zu geben, was sie brauchen. Und auch ganz praktisch zu helfen. Selbstverständlich bin ich als Pastor durch den Geist Jesu Christi geprägt und möchte, so wie er, auf die Welt, die am Flughafen zusammenkommt, zugehen. Dazu gehören auch ungewöhnliche Aktionen. So ist die Flughafenkapelle im Terminal 1 seit einigen Jahren beispielsweise ein Geocaching-Ziel. Die Idee dazu entstand nach einem Gespräch mit einem Flughafenmitarbeiter, der das als Hobby ausübt. So machen wir auf spielerische Art die Kirche am Flughafen sichtbar.

Hamburg·Flughafen 2018-1