Das einzige fliegende Fernrohr

Diese Boeing 747SP von Nasa und DLR ist eine Spezialanfertigung

Sofia: von außen ein fast ganz normaler Jumbo, von innen ein Wissenschaftszentrum (Foto: Michael Penner)

Das größte und einzige fliegende Weltraum-Observatorium der Welt steht etwa alle drei Jahre in den Wartungshallen von Lufthansa Technik (LHT) am Hamburg Airport. Diesen Winter war Sofia (Stratosphären Observatorium Für Infrarot-Astronomie), so der Name dieses ganz besonderen Flugzeugs, von November bis März bei LHT zu Gast.

Allein die Geschichte dieses Flugzeugs ist spannend. Denn es handelt sich um eine von nur ganz wenigen noch fliegenden Boeing 747SP, eine verkürzte Version des berühmten Jumbos. Sie war damals für extreme Langstrecken etwa über den Pazifik gedacht, aber es wurden insgesamt nur 45 Exemplare der SP (steht für „Special Performance“) gebaut.

Blick ins All aus 14 Kilometern Höhe

Zwischen 1977 und 1994 war sie als Passagierjet für verschiedene Airlines unterwegs. Danach begann ihr neues Leben als fliegendes Observatorium, ein Gemeinschaftsprojekt der Nasa und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Im hinteren Rumpf ist ein 17 Tonnen schweres Teleskop eingebaut, allein der Spiegel hat einen Durchmesser von 2,70 Meter. Sieben austauschbare Instrumente können je nach Mission mit dem Fernrohr gekoppelt werden. Um aus 14 Kilometern Höhe über der Erde tief ins All zu blicken und Planeten, Kometen, planetarische Nebel, Supernovae und Sternenentstehung zu beobachten, wurde eine vier mal sechs Meter große Tür in den Rumpf eingebaut, die freie Aussicht erlaubt.

Es geht vor allem darum, die Infrarotstrahlung von kosmischen Objekten zu erfassen, die von Bodenstationen wegen des hohen Gehalts an Feuchtigkeit in der Atmosphäre nicht gesehen werden kann, da Wasserdampf die Infrarotstrahlung absorbiert. Heinz Hammes, DLR-Projektmanager für Sofia, macht die Leistung des fliegenden Teleskops anschaulich: „Das ist etwa so, als wenn auf einem Lastwagen ein Teleskop installiert wird und man damit während der Fahrt auf der Autobahn die beiden Augen einer Fliege unterscheiden kann, die sich in fünf Kilometer Entfernung befindet.“

Pro Jahr unternimmt Sofia etwa 110 Flüge, immer bei Nacht. Sie dauern jeweils acht bis zehn Stunden, haben etwa 30 Besatzungsmitglieder und Wissenschaftler an Bord und starten meist, aber nicht immer, von Palmdale in Kalifornien aus. Dort ist Sofia beim Armstrong Flight Research Center stationiert. Bis 2034, also 16 weitere Jahre, soll die 747SP noch betrieben werden. Dafür begibt sie sich regelmäßig in die Obhut der LHT-Experten in Hamburg. AS

Hamburg·Flughafen 2018-2