"Ohne Sie könnte ich nicht verreisen"

Ein Tag mit dem DRK mediservice - 80 Helferinnen und Helfer im Einsatz

DRK-Mitarbeiterin Susanne Kurs macht sich auf den Weg zum Gate (Foto: Michael Penner)

Frühmorgens um fünf ist es schon lebendig in den Terminals. An den Check-in-Schaltern herrscht reger Betrieb, die Sicherheitskontrolle hat längst geöffnet, und in den Gastronomiebetrieben duftet es nach Kaffee und frischen Brötchen. „Immer wieder eine schöne Atmosphäre, wenn ich zum Dienst komme“, sagt Susanne Kurs. Sie gehört seit drei Jahren zum Team in der Sanitätsstation des DRK-mediservice im Terminal 2 am Hamburg Airport und ist zuständig für die Betreuung von Fluggästen mit Handicap.

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Kaum angekommen, bereitet sich Susanne Kurs ebenso wie die anderen Kolleginnen und Kollegen der Frühschicht auf die Arbeit vor. Gerade überprüft sie noch eine Notfalltasche, die bei medizinischen Einsätzen benötigt wird, da kommt von der Disponentin der erste Auftrag: Ein 82-jähriger Passagier muss von einem Check-in-Schalter zum Gate C08 gebracht werden, um dort das Flugzeug nach Gran Canaria zu erreichen. Der Mann ist nach einer Hüft- und einer Knieoperation beim Gehen stark eingeschränkt – der Weg bis zum Flieger wäre für ihn zu beschwerlich. Susanne Kurs ist mit einem Rollstuhl zur Stelle. Nach Passieren der Sicherheitskontrolle geht es weiter zum Gate. Das Einsteigen möchte der Rentner selbst übernehmen.


Passagiere mit eingeschränkter Mobilität müssen ihren Bedarf für Unterstützung mindestens 48 Stunden vor Abflug oder Ankunft bei ihrem Reisebüro oder ihrer Airline melden. Nur so kann rechtzeitige Hilfe gewährleistet werden. Mehr Infos hier.


Über ihr Funkgerät meldet Susanne Kurs der Zentrale: „9-2 ist wieder einsatzbereit.“ Lange Zeit zur Verschnaufpause bleibt ihr nicht. Aus einem Flugzeug an einem der Walk-in-walk-out-Gates muss ein Passagier die Treppe hinuntergetragen werden. Für die Rot-Kreuz-Mitarbeiterin kein Problem. Zusammen mit einer Kollegin ist sie zur Stelle. „Die Arbeit ist körperlich anstrengend, man weiß danach, was man getan hat. Aber sie gibt einem ein gutes Gefühl“, sagt die 50-Jährige. „Einmal meinte ein älterer Mann: ‚Wenn es Sie nicht gäbe, könnte ich gar nicht mehr verreisen.’“

Rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehören zum DRK-Team am Airport. „Dazu zählen auch Mitarbeiter mit medizinischen Vorkenntnissen und entsprechender Ausbildung, die für unseren anderen Aufgabenbereich zuständig sind: Erste Hilfe, Notfallversorgung, Krankheiten“, erläutert Frank Kohlstädt, seit fast 20 Jahren Leiter der Station. Er präsentiert eine stolze Bilanz: Mehr als 75.000 Menschen mit Handicaps wurden im vergangenen Jahr betreut, rund 1.500 mal wurde Erste Hilfe geleistet. „Arbeit gibt es genug“, sagt er. „Jeden Tag im Schichtbetrieb von 5 Uhr bis zum letzten Flieger – mindestens aber bis 23 Uhr. Deshalb können wir gut noch weitere Unterstützung gebrauchen.“ WD


Wer macht mit?
Das Team des DRK mediservice am Airport sucht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit oder ohne medizinische Vorkenntnisse. Voraussetzungen sind gutes Deutsch und englische Sprachkenntnisse sowie der Führerschein Klasse B. Auch ältere Kolleginnen und Kollegen sind willkommen. „Auch Lebenserfahrung zählt“, sagt Stationsleiter Frank Kohlstädt.


Hamburg·Flughafen 2018-2