Traumberuf Pilot - Realität oder Träumerei?

Raimund F. Neuhold hat sein Hobby zum Beruf gemacht: Seit 40 Jahren fliegt er

Kapitän Raimund F. Neuhold am Hamburg Airport (Foto: Sandra Platzer)

„Ich bin sehr glücklich in meinem Beruf. Besondere Freude habe ich dabei an den Menschen, mit denen ich gemeinsam arbeite. Ein spannendes Völkchen!“, erzählt Flugkapitän Raimund F. Neuhold gleich zu Beginn des Gesprächs. Menschen, die in der Luftfahrt arbeiten, hätten einen weiten Horizont. Ein Interview darüber, was den Beruf des Piloten heute ausmacht.

In den vergangenen Jahren hat sich die Fliegerei verändert. Beispielsweise wurden die Bodenzeiten immer knapper, jede Minute zählt. Bleibt da überhaupt noch Zeit für Gespräche am Flughafen?

Flugkapitän Raimund F. Neuhold: Luftfahrt funktioniert nur über einen gesunden Teamspirit, wenn nämlich alle zusammenarbeiten. Das betrifft alle, die an einem Flughafen tätig sind. Das macht übrigens die besondere Stimmung in Hamburg aus. Hier ist man als Besatzungsmitglied willkommen, alle arbeiten teamorientiert. Das ist Luftfahrt!

Mit welchem Gefühl landen Sie als Pilot in Hamburg?

Ich habe das Gefühl, nach Hause zu kommen. Die Flugsicherung macht einen hervorragenden Job, sie behandelt alle Piloten vom eiligen Rettungshubschrauber über den nach Sicht fliegenden Privatpiloten bis hin zum Linienpiloten sehr zuvorkommend. Auch am Boden wird viel getan.

Sie wohnen in Hamburg. Können Sie auch diejenigen Menschen verstehen, die sich weniger Flugverkehr wünschen?

Ich kann verstehen, dass es ein Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Ökologie gibt. Natürlich müssen wir als Flugzeugführer dazu einen Beitrag leisten. Das tun wir beispielsweise dadurch, dass wir vor jedem Start berechnen, wie wenig Leistung wir setzen müssen, damit wir die vorhandene Bahnlänge ausnutzen. Wir wollen so leise, umweltfreundlich, spritsparend und emissionsarm wie möglich arbeiten. Das ist unser Beitrag zu einer guten Nachbarschaft des Flughafens.

Sie fliegen auf der Langstrecke, sind also immer zu anderen Kontinenten unterwegs. Wo liegt der Unterschied zur Kurzstrecke innerhalb Europas?

Man könnte meinen, dass die langen Flüge anstrengender sind. Es ist aber genau anders herum. Die Kurzstreckenflüge sind anstrengender, weil das Belastungsszenario für die Besatzungen ganz anders aussieht. Die kurzen Bodenzeiten mit vielen Schnittstellen zu Dienstleistern wie zum Beispiel Catering und Tankwagen sind bei vier oder fünf Europaflügen während eines Arbeitstages anstrengend. Auf der Langstrecke geht es entspannter zu.

Ihr schönster Moment während eines Fluges?

Es gibt einen Aspekt in der Luftfahrt, der mir besonders gefällt: der ständige Wille zur Optimierung. Man möchte jedes Mal, wenn man einen Flug durchführt, etwas besser und effizienter für die Firma sowie angenehmer für die Gäste arbeiten. Wenn mir das gelingt, ist das ist ein tiefes Gefühl der Befriedigung.

Wie anstrengend ist es, immer für einen sicheren Flug zu sorgen?

Es ist eine ständige Herausforderung. Wichtig dabei ist ein hohes Maß an Selbstdisziplin. Niemals darf sich eine gewisse Sorglosigkeit einstellen. Ich muss mich immer so vorbereiten, als sei es mein erster Flug zu diesem Ziel. Es ist auch meine Aufgabe, dass sich die gesamte Besatzung als Team versteht. So bleibt das System sicher.

Wenn Sie privat reisen…

…sitze ich am liebsten im Flugzeug, denn es ist das sicherste Verkehrsmittel der Welt.“

Interview: Cord Schellenberg


Zur Person:

Raimund F. Neuhold ist 61 Jahre alt, lebt im Hamburger Stadtteil Harvestehude und hat zwei Kinder. Der gebürtige Österreicher ist seit 31 Jahren Flugzeugführer bei der Lufthansa CityLine und fliegt heute als Kapitän auf dem vierstrahligen Langstreckenflugzeug Airbus A340 um die Welt. In seiner Freizeit gibt er seine fliegerische Erfahrung als Ausbildungsleiter, Fluglehrer und Prüfer weiter.

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