Hamburg Airport und der Schallschutz

Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick

Für viele Norddeutsche gehört Fliegen schon fest zum Familienleben (Foto: Daniel Hofer)

Als größter Flughafen Norddeutschlands ist Hamburg Airport das Tor zur Welt für über zehn Millionen Einwohner im Einzugsgebiet – pro Jahr nutzen mehr als 17,6 Millionen Reisende den Flughafen, mehr als 15.000 Menschen haben am Hamburg Airport ihren Arbeitsplatz. Die stadtnahe Lage bringt dabei viele Vorteile mit sich. Mit ihr ist allerdings auch eine besondere Verantwortung gegenüber den Anwohnerinnen und Anwohnern verbunden. Der Flughafen engagiert sich daher auf vielen Ebenen für einen wirksamen Schallschutz. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was unternimmt der Hamburger Flughafen für den Schallschutz?

Hamburg Airport setzt an vielen verschiedenen Stellen an, um einen wirksamen Schallschutz für die Flughafen-Nachbarn zu erzielen. Im Rahmen seiner Lärmschutzprogramme stattet der Flughafen seit über 40 Jahren Häuser in der Nachbarschaft mit Schallschutzfenstern und Schalldämmlüftern aus. Zudem ist Hamburg Airport kontinuierlich mit den Airlines im Gespräch, um den Einsatz moderner Flugzeugtypen mit effizienteren und leiseren Triebwerken zu fördern. Auch an den Start- und Landeverfahren setzt der Flughafen an und erwirkte 2017 eine Empfehlung zum Verzicht auf das Flachstartverfahren im Luftfahrthandbuch (AIP), da andere Verfahren von den Flughafen-Nachbarn als leiser empfunden werden. Darüber hinaus beginnt Schallschutz am Hamburg Airport bereits am Boden: Nach Erreichen der Parkposition müssen Flugzeuge auf den Betrieb der sogenannten Hilfstriebwerke (Auxillary Power Unit, kurz APU) verzichten. Zudem minimiert eine Lärmschutzhalle den Geräuschpegel der notwendigen Triebwerk-Checks durch die Lufthansa Technik.


Immer mehr Menschen fliegen – wie entwickelt sich die Zahl der Flüge und der Fluglärm?

Die Reiselust der Norddeutschen ist groß – Tendenz weiter steigend. Im vergangenen Jahr konnte der Hamburger Flughafen erstmals in seiner 107-jährigen Geschichte 17,6 Millionen Fluggäste begrüßen. Damit verzeichnete der Flughafen ein Passagierwachstum von rund 8,6 Prozent, während die Anzahl der Starts und Landungen im gleichen Zeitraum um rund 0,5 Prozent zurückging. Fliegen wird somit durch eine steigende Auslastung der Passagierflugzeuge sowie die Entwicklung und den Einsatz von moderneren, größeren Flugzeugtypen immer effizienter. Die im Jahr 1997 berechnete Lärmobergrenze wurde seitdem stets unterschritten – 2017 war die sogenannte Lärmkontur rund 28 Prozent kleiner als im Vergleichsjahr vor rund 20 Jahren.


Welche Rolle spielt das Alter der Flugzeuge – ist älter gleich lauter?

Jüngere Flugzeugytypen wie die A320-Familie, die neuesten Boeing-737-Modelle oder die CSerie von Bombardier sind deutlich leiser als ihre Vorgänger von vor 20, 30 oder 40 Jahren. Hinzu kommen aktuelle technische Entwicklungen, wie zum Beispiel der Einbau von Wirbelgeneratoren an den Tragflächen, die Lärm weiter vermindern. Auch Weiterentwicklungen der Triebwerkhersteller für bereits erfolgreiche Flugzeugreihen machen Passagierflugzeuge heute noch einmal leiser. Hamburg Airport setzt sich aktiv dafür ein, dass die Airlines mit ihren modernsten Flugzeugen von und nach Hamburg fliegen. Denn durch den Einsatz moderner, effizienter und immer leiser werdender Triebwerke reduziert sich der Schall bereits an der Quelle. Dabei investieren nicht nur klassische Fluggesellschaften wie die Deutsche Lufthansa in die neueste Flugzeuggeneration. Sogenannte Low-Cost-Airlines wie Ryanair und easyJet haben die mit Abstand jüngste Flotte – im Schnitt sind die Flugzeuge gerade einmal fünf bis sechs Jahre alt. In den kommenden Jahren wird sich diese Entwicklung weiter fortsetzen.


Welche Regionen benötigen Schallschutz bzw. werden überflogen?

Das Bahnsystem am Hamburg Airport ermöglicht Starts und Landungen in alle vier Himmelsrichtungen. Welche Bahn benutzt werden sollte, geben die Lotsen der Deutschen Flugsicherung GmbH (DFS) vor. Dabei sollen die Starts und Landungen nach Möglichkeit über dem Gebiet mit der geringsten Bevölkerungsdichte erfolgen. Davon darf nur abgewichen werden, wenn zwingende Gründe dies erfordern. Zu den größten Einflussfaktoren zählen Witterungsverhältnisse, Verkehrslage sowie Bauarbeiten. 2017 wurden die meisten Flüge über dem Nordwesten (Norderstedt) gezählt (rund 44 Prozent aller Flüge), gefolgt von der Start- und Landerichtung Nordosten (Langenhorn, 31 Prozent) und Südwesten (Niendorf, 21 Prozent). Über die dicht besiedelte Innenstadt im Südosten (z.B. Alsterdorf/Winterhude) flogen insgesamt nur rund 3 Prozent aller Flüge.


Wann darf am Hamburger Flughafen geflogen werden?

Am Flughafen Hamburg gilt von 0 bis 6 Uhr eine strenge Nachtflugbeschränkung. Regulärer Flugbetrieb herrscht bis 23 Uhr, Flüge in der Zeit von 23 bis 24 Uhr finden ausschließlich im Rahmen einer Verspätungsregel statt. Sie ist ein wichtiger Bestandteil der Betriebsgenehmigung von Hamburg Airport, die besagt, dass bei nachweislich unvermeidbaren Verspätungen, Linien- und Touristikflüge noch bis 24 Uhr starten bzw. landen dürfen. Denn im international eng vernetzten Luftverkehr reicht oft schon eine kleine Verzögerung – zum Beispiel durch ein Unwetter, eine technische Störung oder einen medizinischen Notfall, um eine Verspätung herbeizuführen. Nur im Ausnahmefall genehmigt die Hamburger Behörde für Umwelt und Energie Flüge nach Mitternacht. Katastrophen-, medizinische Hilfs-, Such- und Rettungsflüge sowie polizeiliche Einsätze sind von den Nachtflugbeschränkungen ausgenommen.


Warum ist die Verspätungsregelung ab 23 Uhr notwendig?

Die Luftfahrt ist ein komplexes System, das ganz Europa miteinander verknüpft. An nur einem Tag passiert ein Flugzeug verschiedene Start- und Landeorte und arbeitet dort mit vielen verschiedenen Unternehmen und Organisationen zusammen. Schon eine einzelne zeitliche Störung des Tagesablaufs kann manchmal bis zum letzten Abendflug nicht mehr aufgeholt werden – in diesem Fall greift die Verspätungsregelung. Um einen zuverlässigen Flugbetrieb zu gewährleisten, ist sie zwingend notwendig. Ohne sie müssten alle Flüge nach 23 Uhr zu anderen Flughäfen, zum Beispiel Hannover oder Rostock-Laage, umgeleitet werden. Die Passagiere müssten in Hotels übernachten und/oder mit Bussen nach Hamburg gefahren werden. Das umgeleitete Flugzeug ist dennoch am Folgetag fest eingeplant und müsste somit einen zusätzlichen morgendlichen Flug nach Hamburg antreten.


Was unternimmt Hamburg Airport, um die Airlines für Pünktlichkeit und Schallschutz zu sensibilisieren?

Hamburg Airport ist kontinuierlich mit den Airlines im Gespräch. Dadurch wurden bereits mehrere Flüge vorverlegt, die zuvor wiederholt die Verspätungsregelung in Anspruch nehmen mussten. Mit der Pünktlichkeitsoffensive verpflichten sich der Flughafen und die teilnehmenden Airlines so selten wie möglich von der Verspätungsregelung Gebrauch zu machen. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt Hamburg Airport auch finanzielle Anreize: Bereits im Jahr 2001 hat der Flughafen ein Gebührensystem eingeführt, wonach die Fluggesellschaften für späte und lautere Flüge hohe Aufschläge auf die Start- und Landeentgelte zahlen müssen. Diese Aufschläge hat Hamburg Airport vergangenen Sommer noch einmal deutlich erhöht – Fluggesellschaften, die nach 0 Uhr landen, zahlen einen Aufschlag von 700 Prozent auf ihr reguläres Landeentgelt.


Lesen Sie hier ein Interview mit Axel Schmidt, Leiter Umwelt am Hamburg Airport, zum Thema Schallschutz.

Hamburg·Flughafen 2018-3