"Hamburg ist eine bemerkenswerte Stadt"

Franco Esposito, Direktor des Hotel Atlantic, im Gespräch über die Hansestadt

Atlantic-Direktor Franco Espositop am Hamburger Flughafen (Foto: Michael Penner)

Ein frühsommerlicher Mittag im mediterran anmutenden Atrium des Hotel Atlantic. Franco Esposito, seit zweieinhalb Jahren Geschäftsführender Direktor eines der traditionsreichsten Hotels Deutschlands, spricht mit Leidenschaft über Gäste und Mitarbeiter, über seine hanseatische Heimat und die Zukunft des fast 110-jährigen Grandhotels.

Mehr denn je reisen die Menschen gern, das ist ein weltweiter Trend. Mit welchem Gefühl kommen die Gäste bei Ihnen im Hotel an?
Reisen gepaart mit der Digitalisierung erweitern das Wissensspektrum. Insofern ist die Erwartungshaltung unserer Gäste stetig steigend. Gefragt ist Insiderwissen, das Menschen durch unser Team erhalten.

Macht Digitalisierung Dienstleistungen des Hotels einfacher oder schwerer?
Digitalisierung ist Dienstleistung und damit ein Mehr an Service. Zum Beispiel durch schnelle, weltweite Reservierung vom Zimmer bis hin zum speziellen Kopfkissen. Natürlich gehören dazu immer die Menschen – wir selbst verhalten uns digital so wie die Gäste auch, das schafft ein sehr gutes Verständnis zwischen Gast und Mitarbeiter. Digital wie persönlich.

Was erwartet ein Gast von Hamburg?
Verbindlichkeit! Hamburg ist eine bemerkenswerte Stadt, die sich prächtig entwickelt. Da die Hotelaufenthalte der Gäste kürzer werden, möchten sie in der Zeit ihres Besuchs viel von ihren Erwartungen erfüllt wissen. Das ist die Verbindlichkeit, die ich meine: Wir müssen die Wünsche unserer Gäste erfüllen.

Welche Erlebnisse suchen die Gäste?
Hamburg ist ein großartiger Themenpark: Alster und Elbe, Elbphilharmonie und Staatsoper, Planetarium und Kunsthalle, Sportveranstaltungen wie Triathlon und Marathon – es gäbe noch viel mehr zu erwähnen, was die Menschen nach Hamburg lockt. Natürlich gehören dazu auch die Aktivitäten der Hamburger Kaufleute, wie Firmenveranstaltungen, Kongresse und Tagungen.

Was bedeutet das für die Hamburger?
Das ist immer davon abhängig, wo man wohnt und wie man damit lebt. Ich halte es für wichtig, dass die Veranstaltungen der Hamburger erhalten bleiben und die Einwohner ihre Traditionen bewahren. Gleichzeitig ist es ein Privileg, dort leben zu dürfen, wo andere Urlaub machen und ihre Freizeit verbringen. Als gebürtiger Hamburger bin ich natürlich nicht neutral.

Apropos Tradition. Das Hotel Atlantic wird bald 110 Jahre alt. Wie finden Sie ein Gleichgewicht zwischen Vergangenheit und Zukunft?
Wir entwickeln uns immer weiter, denn ein Hotel lebt mit seinen Gästen. So wie sich die Anforderungen einer Gesellschaft verändern, so verändert sich ein Traditionshotel. Wichtig ist jedoch, dass das Wertegefüge unsere Basis bleibt. Wir wollen verstehen, wohin sich junge Leute entwickeln, denn sie werden in ein paar Jahren das Geschehen bestimmen. Deshalb fliege ich immer wieder in andere Städte, um mir interessante Konzepte anzuschauen.

Nutzen Sie das Flugzeug auch für innerdeutsche Reisen?
Ja, oft absolviere ich Tagesreisen. Morgens fliege ich los, und abends kann ich wieder im Hotel sein. Die Flüge bringen mir einen Zeitgewinn, da Hamburg Airport nah an der City liegt und wunderbar kurze Wege bietet. Innerhalb von wenigen Minuten gehe ich vom Parkhaus zum Gate.

Im Flugzeug: Gang- oder Fensterplatz?
Fenster – da verspüre ich die Faszination des Fliegens und schaue aus der Vogelperspektive auf die Welt. Das bringt sogar manchmal einen neuen Gedanken fürs Geschäft.

Das Interview führte Cord Schellenberg


Zur Person:

Franco Esposito ist 54 Jahre alt, lebt mit seiner Frau Corinna und zwei erwachsenen Kindern im Hamburger Stadtteil Othmarschen. Der gebürtige Hamburger ist seit 2016 Geschäftsführender Direktor des Hotel Atlantic Kempinski Hamburg an der Außenalster – seinem einstigen Ausbildungsbetrieb. Im Februar eines jeden Jahres bittet er zum traditionsreichen „Ball über den Wolken“. In seiner Freizeit reist Franco Esposito gern oder fährt mit dem Mountainbike die Elbe entlang.


Hamburg·Flughafen 2018-3