Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser

Interview mit Jan Bokalarsky, Kontrollwagenfahrer am Flughafen

Unterwegs auf Pistenkontrolle: Jan Bokalarsky auf einer seiner täglichen Vorfeld-Touren (Foto: Michael Penner)

Der Winter bedeutet Hochsaison für die Vorfeldaufsicht. Jetzt steigen Jan Bokalarsky und seine Kollegen je nach Wetterlage regelmäßig von ihren üblichen schwarz-gelben Follow-Me-Fahrzeugen auf eines der beiden Fahrzeuge des Typs VW Sharan um, die sogenannten „Friction-Tester“ (Reibungstester). Ihre alltägliche Mission – ob Sommer oder Winter: den einwandfreien Zustand der Verkehrsflächen am Flughafen zu gewährleisten. Unsere Redakteurin Nina Jaspert hat den Kontrollwagenfahrer bei seiner Fahrt über das Vorfeld begleitet.

Hamburg•Flughafen: Können wir jetzt einfach so losfahren?
Jan Bokalarsky: Nein. Wir stehen immer über Funk in Kontakt mit dem Tower und auch mit den Piloten. Wir müssen die Pistenkontrolle anmelden und bekommen dann von dem Towerlotsen die Genehmigung loszufahren. Es kann aber gut sein, dass wir die Piste zwischendurch wieder verlassen müssen.

Worauf müssen Sie bei Ihren regelmäßigen Kontrollfahrten über das Vorfeld achten?
Wichtig ist natürlich, dass der Pistenbelag unbeschädigt ist. Dann schauen wir, ob alle Lampen auf der Landebahn ordnungsgemäß funktionieren und ob Markierungen und Schilder für die Piloten sichtbar sind. Wir müssen auch darauf achten, dass keine Gegenstände auf den Start- und Landebahnen liegen. Zudem schauen wir, dass Vögel und Flugzeuge immer genug Abstand zueinander haben.

In dem Moment setzen zwei große Reiher zum Landeanflug direkt neben der Piste an, auf der in wenigen Sekunden auch ein Airbus A320 landet. Jan Bokalarsky bleibt entspannt, holt aber seine Schreckschusspistole hervor, um die Vögel nach der Flugzeug-Landung zu vertreiben.

Warum ist es wichtig, sie vom Vorfeld zu vertreiben? Die Reiher und Sie sind jetzt sehr ruhig geblieben. Sind die Vögel schon an Flugzeuge gewöhnt?
Genau. Die Vögel kennen Flugzeuge. Trotzdem müssen wir verhindern, dass sie sich hier zu wohlfühlen oder gar brüten. Gerade größere Vögel sind relevant für die Flugsicherheit. Bei einer Kollision mit einem solchen Vogel können bei einem Flugzeug strukturelle Schäden entstehen. Dabei kommt es darauf an, wo das Flugzeug getroffen wird. Es gibt kritische Bauteile wie zum Beispiel die Triebwerke und die Scheiben am Cockpit. In diesen Bereichen ist so ein Vogelschlag meist nicht folgenlos. Krähen zum Beispiel kollidieren übrigens fast nie. Sie sind einfach zu schlau.

Wonach entscheiden Sie eigentlich, ob der Winterdienst ausrücken muss?
Dafür haben wir unsere „Friction-Tester“. Mit diesen speziell ausgerüsteten Fahrzeugen können wir die Rutschfestigkeit der Pisten messen. Per Computer wird ein Messwert errechnet, der digital an die Flugsicherung, den Wetterdienst und die Piloten gesendet wird. Bei einer Veränderung der Landebahnbeschaffenheit von zehn Prozent, zum Beispiel durch Schneeregen oder Glätte, müssen die Spezialfahrzeuge ausrücken. Diese haben dann für jede Piste 30 Minuten Zeit, danach testen wir erneut die Pisten mit unseren Fahrzeugen. Das muss natürlich wie am Schnürchen laufen. Aber am Ende des Tages freuen wir uns, gute Arbeit geleistet zu haben.
Wenn Sie im Urlaub auf anderen Flughäfen landen, achten Sie dann auch auf den Zustand des Vorfelds?
Davon kann ich mich leider nicht freimachen. Ich achte nicht nur auf die Pisten, sondern auch darauf, welche Fahrzeuge die Kollegen fahren.


Zur Person:

Jan Bokalarsky ist seit 1987 am Hamburg Airport tätig und fährt seit 27 Jahren für die Verkehrsaufsicht im gelb-schwarzen Wagen über Vorfeld und Pisten des Flughafens. Zusammen mit insgesamt 22 Kollegen ist er dafür verantwortlich, dass die Start- und Lande- sowie Rollbahnen und Vorfelder frei von Hindernissen sind und bleiben. Das Team der Verkehrsaufsicht ist 24 Stunden pro Tag in drei Schichten im Einsatz. Der 51-Jährige lebt mit seiner Familie in Hamburg-Bramfeld.


Hamburg·Flughafen 2019-1