„Der Flughafen ist Teil meines Lebens“

Interview mit Gerd Südhaus, „Flughafen-Urgestein“

Zwischen diesen Fotos liegen 44 Jahre: Gerd Südhaus heute (links - M. Penner) und 1975 bei der Arbeit als Fracht- und Gerätefahrer (rechts - Georg "Schorsch" Südhaus)

Geboren in Fuhlsbüttel und wahrscheinlich – wie seine Kollegen scherzhaft behaupten – direkt aus dem Flugzeug aufs Vorfeld gefallen. Gerd Südhaus hat 41 Jahre lang am Hamburg Airport gearbeitet, die längste Zeit als Kontrollwagenfahrer. Die Liebe zum Flughafen liegt bei ihm einfach in den Genen: Schon sein Vater hat hier gearbeitet, und auch einer seiner beiden Söhne ist vom Luftfahrt-Virus befallen. Im Interview mit Hamburg•Flughafen erzählt Gerd Südhaus von seiner erlebnisreichen Zeit am Airport.

Hamburg•Flughafen: Man hat den Eindruck, jeder Mitarbeiter kennt Sie oder hat zumindest schon mal von Ihnen gehört. Wann fing denn Ihre Flughafen-Leidenschaft an?
Gerd Südhaus: Ich bin schon als kleiner Junge allein hierhergekommen, um meinen Vater zu besuchen. Er hat hier zunächst als Kofferträger gearbeitet, dann für die Luftbrücke, als Follow-Me-Fahrer und später als Lademeister. Ich habe mich bei der Südtorwache angemeldet, und dann hat mein Vater mich abgeholt und mich mit aufs Vorfeld genommen.

Das ist heute unvorstellbar bei den gesetzlichen Sicherheitskontrollen…
Gerd Südhaus: Das stimmt. Die Vorschriften sind heute leider unabdingbar. Man könnte sagen, damals war die Freiheit nicht nur über den Wolken, sondern auch auf dem Vorfeld noch grenzenlos. Wir sind dann zum Beispiel zum sogenannten „Lande-T“ gefahren. Dieses wurde am Drehpunkt manuell in die Richtung gedreht, in welche das Flugzeug landen sollte. Das durfte ich dann machen.

Was hat sich im Vergleich zu damals noch auf dem Vorfeld verändert?
Gerd Südhaus: Auf jeden Fall die Arbeit im Tower. Es gab noch viele kleine einmotorige Privat-Flieger, die über keinen Funk verfügten. Für diese Flugzeuge wurden am Tower Schilder mit Zahlen montiert, die den Piloten den Weg weisen sollten. Für Startfreigaben wurden rote und grüne Leuchtpistolen eingesetzt – kein Vergleich zu der heutigen Kommunikationstechnik.

Haben Sie während Ihrer Zeit als Follow-Me-Fahrer auch prominente Gäste begleitet?
Gerd Südhaus: Oh ja. Ich habe beispielsweise oft Helmut Schmidt am Flieger abgeholt und zum Terminal Tango gefahren, wo er dann in sein Auto stieg. Er wohnte ja so wie ich in Langenhorn, und daher haben wir oft über unseren Stadtteil und die Luftfahrt gesprochen. Interessant war auch meine Begegnung mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß, der seinen Learjet als Pilot selbst flog. Den heutigen König der Niederlande Willem-Alexander habe ich fast gar nicht erkannt. Er war damals – noch als Prinz – in Uniform der niederländischen Luftwaffe mit einem Freund unterwegs.

Richtig loslassen können Sie nicht vom Flughafen, oder?
Gerd Südhaus: Nicht so richtig. Ich hatte ein wunderbares Flughafenleben, und der Airport ist wie eine zweite Familie für mich. Die Kollegialität ist einfach fantastisch. Wenn ich in den Terminals oder auf dem Vorfeld unterwegs bin, denke ich immer noch, ich bin hier für alles zuständig – das sollte ich vielleicht mal ablegen.

Interview: Nina Jaspert


Zur Person:
Gerd Südhaus begann seine berufliche Laufbahn am Hamburg Airport 1974. Angefangen hat er als Ladehelfer. 1981 startete er seine Ausbildung als Kontrollwagenfahrer, 2005 wechselte er in den Innendienst zur Verkehrsaufsicht. Und auch jetzt – im Rentenalter – ist noch längst nicht Schluss: Momentan renoviert er einen Oldtimer – die Boeing 707, die sich seit 1999 im Besitz des Flughafens befindet und den Mitarbeitern als Übungsobjekt dient. Der 69-Jährige lebt mit seiner Frau in Hamburg-Langenhorn und ist Vater von zwei bereits erwachsenen Söhnen.

Hamburg·Flughafen 2019-2