Im Einsatz für mehr Pünktlichkeit

Interview mit Thomas Piezunka, Björn Scheele und David Eyhorn

David Eyhorn, Thomas Piezunka und Björn Scheele (v.l.) stimmen sich mit den Airlines ab (Foto: Penner)

Es ist ein Wettlauf mit der Zeit – verliert die Besatzung eines Flugzeuges auf einer einzelnen Etappe auch nur Minuten oder sogar Stunden, verzögern sich die Starts und Landungen im Laufe des Tages an allen weiteren Zielflughäfen, manchmal auch am Hamburg Airport. Thomas Piezunka, Björn Scheele und David Eyhorn versuchen dem entgegenzuwirken und vorzubeugen. Sie recherchieren, analysieren und kommunizieren. Am Flughafen nennt man sie das „Pünktlichkeitsteam“. Hamburg•Flughafen traf sich – natürlich pünktlich – mit den drei Zeitmanagern, um mit ihnen über ihre erfolgreiche Arbeit zu sprechen.

Vor drei Jahren startete Hamburg Airport die sogenannte „Pünktlichkeitsoffensive“ als erster Flughafen in Deutschland. Zur Unterstützung dieses Projektes wurde Schritt für Schritt auch Ihr Team aufgebaut. Wie muss man sich Ihre Arbeit genau vorstellen?
Thomas Piezunka: Ein bisschen wie ein Puzzle. Wir suchen und analysieren Schwachstellen im pünktlichen Flugbetrieb, um dann in enger Abstimmung mit den Fluggesellschaften gegenzusteuern. Das geschieht beispielsweise durch die Anpassung von Flugplänen durch die Airlines. Unser Ziel ist es, die Zahl der verspäteten Flüge zu reduzieren.

Die Fluggesellschaften planen weniger späte Flüge

Waren Sie dabei schon erfolgreich?
Björn Scheele: In den ersten vier Monaten dieses Jahres lag die Zahl der verspäteten Flüge zwischen 23 und 24 Uhr um mehr als ein Drittel niedriger als in den ersten vier Monaten des Vorjahres. Das sehen wir schon als Resultat unserer Arbeit mit den Fluggesellschaften an. Verspätungen werden aber nie ganz auszuschließen sein. Gerade wenn Starts und Landungen sehr spät zwischen 22.45 Uhr bis 23 Uhr angesetzt sind, ist die Möglichkeit gegeben, dass sich diese Flüge verzögern. Ist ein Flugzeug schon morgens an einem Punkt seiner Route verspätet, ist diese Zeit bis zum Abend kaum einzuholen.
David Eyhorn: Und genau da kommen wir ins Spiel. Wir sammeln Daten darüber, wann und wo das Flugzeug während seines Umlaufs an dem Tag war und warum es zu Verzögerungen kam. Über das Ergebnis sprechen wir dann mit den Airlines. Die Fluggesellschaften schauen sich daher ihre Tagesrotationen genauer an als früher.
Thomas Piezunka: Mittlerweile ist es sogar so, dass uns eine große Airline Zugriff auf ihr System gewährt. Das macht unsere Analysen und die Zusammenarbeit einfacher. Schließlich haben auch die Fluggesellschaften selbst ein großes Interesse daran, Verspätungen zu reduzieren – denn diese bedeuten ja finanzielle Verluste für sie. Daher versuchen wir mit Airlines, die neu zu uns kommen, sofort in den Dialog zu treten, um sehr spät oder knapp angesetzte Flugzeiten schon in der Planung zu vermeiden.

Im Sommer wollen besonders viele Menschen ab Hamburg Airport reisen. Entsprechend mehr Flüge bieten die Fluggesellschaften im Sommerflugplan an – hat das Einfluss auf Ihre Arbeit?
Björn Scheele: Ja, uns war es wichtig, dass möglichst wenige Flüge sehr spät angesetzt werden. Mit Erfolg: Gemeinsam mit den Fluggesellschaften konnten wir erreichen, dass 80 Prozent weniger Starts und Landungen zwischen 22.45 und 23 Uhr geplant wurden als im vergangenen Jahr. David Eyhorn: Dabei darf man nicht vergessen, dass Verspätungen nicht nur mit der Flugplangestaltung zu tun haben. Hier spielen natürlich vor allem das Wetter, aber auch Streiks, die Kapazität der europaweiten Flugsicherungen sowie die reibungslose Zusammenarbeit mit den Bodenverkehrsdiensten eine große Rolle.
Thomas Piezunka: Eigentlich arbeiten wir gegen den Trend im Luftverkehr an. Denn der Anstieg der Verspätungen ist leider ein weltweites Thema. Es ist daher wichtig, dass die Kommunikation und Zusammenarbeit aller Beteiligten auch global noch enger wird. Unser Ziel ist es, hier einen Maßstab zu kreieren, mit dem Bürger und Airlines gleichermaßen zufrieden sind.

Interview: NJ

Hamburg·Flughafen 2019-3