Die Nase vorn in Sachen Umwelt

Interview mit Axel Schmidt, Leiter des Umweltbereichs am Hamburg Airport

Alle Umweltthemen liegen Axel Schmidt am Herzen (Foto: Michael Penner)

Von seinem Büro aus hat er alles im Blick: Flugzeuge, Tower, Vorfeld und Natur. Das passt, denn Axel Schmidts Anliegen ist es, zwischen diesen Dingen eine Balance zu schaffen. Ein Mann der ersten Stunde und Pionier in Sachen Umweltarbeit am Hamburg Airport: Er baute den Bereich auf, in dem er nun seit über 30 Jahren tätig ist. Eine Reihe von Preisen verdeutlicht, wie anerkannt die Arbeit des Umweltingenieurs und seines Teams ist. Die Redaktion sprach mit Axel Schmidt über die Erfolge und zukünftigen Vorhaben.

Welches ist Ihr größtes Ziel?
Axel Schmidt: Zum einen weiterhin alle Umweltbelange innerhalb eines Fachbereichs zu konzentrieren und aus dieser Komplexität das Umweltrückgrat des Flughafens zu halten. Ob Fluglärm, CO2 -Ausstoß, Luftqualität, Energie, Gewässerreinheit, Bodengüte oder Abfall – das sind alles Themen, die man nicht voneinander trennen kann. Zum anderen wollen wir noch vor 2030 klimaneutral werden. Modernste Fahrzeuge, erneuerbare Energien und Wasserstoff helfen dabei.

Umwelt und Flughafen – wie passt das eigentlich zusammen?
AS: Mir hat mal jemand gesagt, dass, wenn wir den Flugzeuglärm nicht hätten, wir das umweltfreundlichste Unternehmen in Hamburg wären. Die Flugzeuge gehören aber natürlich zum Flughafen. Was wir bieten können, sind eine solide Umwelttechnik und Ideen mit Umsetzung. Wir reduzieren die Umweltbelastung, wo es geht, und schaffen eine Verbesserung für die Nachbarschaft. Seit 20 Jahren arbeiten wir zum Beispiel mit den modernsten Antriebstechnologien und Kraftstoffen – angekommen sind wir mittlerweile bei Wasserstoff-Brennstoffzellen und Elektrofahrzeugen. Insgesamt haben heute 73 Prozent der Fahrzeuge am Flughafen einen alternativen Antrieb. Einen großen Teil unseres Energiebedarfs decken wir aus unserem Blockheizkraftwerk, das mit Erdgas betrieben wird. Den übrigen Bedarf kaufen wir als Ökostrom hinzu. Das heißt, wir arbeiten ständig daran, unsere eigene Infrastruktur möglichst umweltschonend zu betreiben.

Wie kann jeder Fluggast selbst etwas beitragen?
AS: Ich würde mir wünschen, dass noch mehr Fluggäste die S-Bahn nutzen, um zum Flughafen zu gelangen. Die Rate liegt momentan bei 33 Prozent, 45 Prozent wären super. Innerhalb der Terminals kann und sollte jeder Fluggast auf die Mülltrennung achten.

Redakteurin Nina Jaspert im Gespräch mit Axel Schmidt - Foto: Penner

Welche Erfolge haben Sie zum Pionier der Flughafen-Umweltarbeit gemacht?
AS: Da sind zum einen die Auszeichnungen und Zertifizierungen, die wir erhalten haben, sozusagen das erwiesene Lob. So haben wir als der erste Flughafen weltweit die beiden Umweltzertifikate nach EMAS (Eco Management and Audit Scheme) und ISO 14.001 erhalten – und das bereits vor 20 Jahren. Dann natürlich unser Bienen- und Wildbienenprojekt oder zahlreiche Auszeichnungen wie der „Umweltpreis der Wirtschaft Schleswig-Holsteins“ oder die „Beste Umwelterklärung Deutschlands“. Aber am wichtigsten ist mir unsere Vorreiterrolle. So waren wir der erste Flughafen in Deutschland, der anfing, Fahrzeuge auf Gas umzurüsten. Auch die ausschließliche Nutzung von synthetischem Diesel aus pflanzlichen und tierischen Abfallstoffen für bestimmte Schwerlastfahrzeuge wurde teilweise von anderen Flughäfen übernommen. Auszuprobieren und ein Gespür dafür zu haben, was ein wichtiges neues Thema werden könnte – das ist es, was uns als Umweltteam gut gelingt.

Wie sieht für Sie der perfekte Flughafen der Zukunft aus?
AS: Das ist für mich ein Flughafen, der politisch, nachbarschaftlich und von der Bevölkerung akzeptiert wird. Ein Platz, der zur Mobilität aller beiträgt und dabei umweltschonend arbeitet, so dass er quasi keine Belastung für die nachbarschaftliche Umwelt darstellt. Ein Flughafen, der in Balance zu anderen Verkehren steht, klimaneutral arbeitet und wie bei uns eine sehr hohe biologische Vielfalt aufweist.

Sitzen Sie im Flugzeug lieber am Fenster oder am Gang?
AS: Am liebsten im Cockpit [Anm. d. Red.: Dabei schmunzelt er, denn Axel Schmidt besitzt eine Piloten-Lizenz für Kleinflieger und fliegt seit 22 Jahren selbst]. Auf Reisen aber am liebsten am Fenster. Ich bin fasziniert davon, dass wir uns technisch den Traum vom Fliegen ermöglicht haben. Eine Errungenschaft, die heute für jeden selbstverständlich ist. Die Kräfte und Vielfalt der Natur zu spüren, ist für mich immer wieder ein Erlebnis.

Interview: Nina Jaspert und Cord Schellenberg


Zur Person:
Axel Schmidt ist seit 1989 Leiter des Umweltbereichs am Hamburg Airport. Der 61-Jährige stammt aus Barmstedt im Süden Schleswig-Holsteins, wo er noch immer in seinem Geburtshaus lebt. Nach einer Lehre zum Maschinenbauer absolvierte er ein Umwelttechnik-Studium und war drei Jahre im Umweltamt des Kreises Pinneberg tätig. Zudem ist er als verantwortlicher Jäger im Flughafenbereich Hamburg/Kaltenkirchen unterwegs. Axel Schmidt sitzt außerdem im Umweltausschuss der deutschen Flughäfen und im Umweltausschuss auf europäischer Ebene, ist Mitglied in einigen Vereinen und kommunalpolitisch in seiner Heimatstadt aktiv. Für seine schon sehr früh begonnene, beispielhafte Jugendarbeit erhielt er 2010 das kleine Bundesverdienstkreuz.

Hamburg·Flughafen 2019-4