Interview: Wie in einer eigenen kleinen Stadt

Zwei junge Frauen, zwei Berufe, eine gemeinsame Faszination

Die Faszination des Flughafens gehört für sie zu ihrem täglich Brot: Stephany Burrows (l.) und Anna Stork (r.) (Foto: Michael Penner)

Zwei junge Frauen, zwei Berufe, eine gemeinsame Faszination. Beide haben ihre Ausbildung am Hamburg Airport absolviert: Anna Stork zur Servicekauffrau im Luftverkehr und Stephany Burrowes zur Industriemechanikerin. Anna Stork arbeitet inzwischen am General Aviation Terminal (GAT) für Geschäftsreise- und Privatflugzeuge. Stephany Burrowes ist zurzeit an der Gepäckförderanlage eingesetzt. Mit rund 40 Kollegen, übrigens alle Männer, sorgt sie dafür, dass pro Tag Zehntausende Koffer reibungslos über die Bänder laufen.

Hamburg•Flughafen: Was macht für Sie den Reiz aus, am Flughafen zu arbeiten?
Anna Stork: Für mich ist es einfach toll, Menschen zu erleben, die sich auf ihre Reise freuen, oder die von einer Reise zurückkommen, von der sie viele Erinnerungen und Eindrücke mitbringen. Wahnsinnig schön ist es auch, wenn Sportler von Wettbewerben zurückkehren. Vor ein paar Jahren habe ich den Empfang der Olympia- und Paralympics-Teilnehmer erlebt. Das war unglaublich und hat mich sehr beeindruckt.
Stephany Burrowes: Ich bin immer schon viel geflogen, weil ein Teil meiner Familie in England lebt. Mich hat immer fasziniert, dass der Flughafen wie eine eigene kleine Stadt ist, mit eigenen kleinen Läden und eigenen Verkehrsregeln. Ich wusste, dass ich nach der Schule etwas Technisches machen und am Hamburger Flughafen eine Ausbildung machen wollte. Ich war wohl auch ein bisschen naiv, denn ich habe nur eine einzige Bewerbung geschrieben – und dabei sofort Glück gehabt.

Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag am Flughafen aus?
Anna Stork: Einen typischen Arbeitstag gibt es bei uns am GAT nicht. Wir sind ja eine Art Flughafen im Flughafen. Es gibt drei Bereiche, die jeder in unserem Team abdeckt: das Büro, sozusagen unsere Kommandozentrale, den Follow-Me-Bus, mit dem wir die Flugzeuge auf ihre Parkpositionen leiten, und die Flugzeughallen.
Wer dort Dienst hat, schleppt die Maschinen hinein oder hinaus, von kleinen einmotorigen Fliegern bis zur dreistrahligen Falcon 900. Dabei liegt man auch manchmal unterm Flugzeug, um eine Schleppstange anzubringen. Wenn ich Dienst im Büro habe, organisiere ich den Einsatz der Kollegen, plane zum Beispiel die Positionen der Flugzeuge und welche Services dort gebraucht werden. Und dann kann es sein, dass plötzlich das Telefon klingelt: Ein Organtransport ist auf dem Weg nach Hamburg. Wir stellen sicher, dass alles reibungslos abläuft und der Krankenwagen schnell aufs Gelände fahren kann. Bei uns ist kein Tag wie der andere.
Stephany Burrowes: Das ist bei uns ähnlich. Klar haben wir Routinearbeiten, aber man weiß nie, was im Laufe der Schicht passieren wird. Tagsüber beseitigen wir mögliche Störungen an der Gepäckanlage, machen Rundgänge und prüfen, ob alles funktioniert. Zwischen 22 und 4 Uhr finden dann größere Arbeiten statt: Dann tauschen wir Rollen oder Motoren aus. Alle drei Monate warten wir die gesamte Gepäckstrecke. Und nachts prüfen wir auch die Röntgengeräte der Anlage, in der alle aufgegebenen Koffer kontrolliert werden.

Wie erleben Sie andere Flughäfen, wenn Sie selbst reisen?
Stephany Burrowes: Man vergleicht ja ganz automatisch, wie es woanders ist. Interessant finde ich, wie ähnlich sich Flughäfen auf der ganzen Welt sind. In London-Heathrow, wo ich häufiger bin, läuft vieles ganz ähnlich wie bei uns.
Anna Stork: Mir fällt auf, dass manche kleineren Flughäfen für die Privat- und Geschäftsfliegerei sehr modern ausgestattet sind. Hamburg Airport ist aufgrund der Anbindung an die Stadt aber einfach die Nummer eins im Norden.

Interview: ML

Zu den Personen:


Anna Stork wollte nach dem Abitur in Nordrhein-Westfalen unbedingt nach Hamburg, um hier am Flughafen zu arbeiten. Nach ihrer Ausbildung zur Servicekauffrau im Luftverkehr brachte sie eine Krankheitsvertretung zum General Aviation Terminal (GAT), das Terminal, an dem Geschäfts- und Privatflugzeuge abgefertigt werden – und möchte dort nicht mehr weg. In ihrer Freizeit spielt die 29-Jährige Klavier und besucht, wenn Zeit ist, gern Kurse für japanische Kochkunst.


Nach dem Abitur begann Stephany Burrowes zunächst ein Maschinenbaustudium, vermisste dabei aber schnell die Praxis. Also bewarb sich die Lüneburgerin am Hamburg Airport. In ihrem Jahrgang war sie die einzige weibliche Auszubildende zur Industriemechanikerin. 2018 nahm sie als Finalistin am Wettbewerb „Azubi des Jahres“ teil. Aktuell arbeitet sie an der Gepäckanlage. Als Ausgleich zum Beruf geht die 25-Jährige gern klettern.


Hamburg·Flughafen 2020-1